Lieber arbeiten als im Container rumzusitzen

Asylnetzwerk: Ehrenamtliche feiern mit Flüchtlingen im Pfälzer Ring und verteilen die von der Bevölkerung gespendeten Päckchen mit Hygieneartikeln und Schokolade

Zusammen mit den Ehrenamtlichen hat Manuela Offenloch, Sprecherin des Arbeitskreises Freizeit, Sport und Kultur beim Asylnetzwerk Hockenheim, eine Winterfeier für Flüchtlinge und Ehrenamtliche auf die Beine gestellt. Da Weihnachten noch ein bisschen hin war und „unter den Flüchtlingen viele Muslime sind“, so Offenloch, wurde es kurzerhand eine Winterfeier.

Doch das tut der weihnachtlichen Stimmung auf dem Gelände des Pfälzer Rings 8 keinen Abbruch. Es gibt Tee, Glühwein und Gebäck. Die Ehrenamtlichen haben das Gelände mit kleinen Kerzen geschmückt und gegen die Kälte gibt es mehrere Feuerkörbe. Natürlich darf auch handgemachte Musik nicht fehlen, und so gibt es eine kleine Trommel-Darbietung, zu der mancher Teilnehmer trotz oder gerade wegen der Kälte sogar tanzt.

Lamin zieht’s an den Herd

Lamin Bah aus Gambia ist einer der Trommler. Bah ist ein Jahr hier und kam von Oftersheim, wo er beim Fußballtraining der Kinder- und Mädchenmannschaft hilft, nach Hockenheim. In Gambia hat er als Bedienung und Koch gearbeitet und würde auch hier gerne arbeiten, muss aber momentan noch auf die Behörde warten: „We need work and want to help, because they give us the money“ („Wir brauchen Arbeit und wollen helfen, weil sie uns das Geld geben“), erklärt Bah eindringlich.

Mustafa will auf Deutsch rappen

Die meisten Gespräche an den Stehtischen drehen sich um das Arbeiten und das Warten. Hakimi Hamid aus Afghanistan, der jetzt ein Jahr und zwei Monate in Deutschland weilt, ist gelernter Fotograf und hat in Afghanistan für das Fernsehen gearbeitet: „Momentan mache ich ein dreimonatiges Praktikum als Krankenpfleger. Ich würde aber gerne wieder als Fotograf arbeiten.“ Doch zuvor braucht Hamid noch die Antwort der Behörde.

Sichtlich zufrieden hingegen ist Javed Ahmed aus Pakistan. Er arbeitet in Reilingen im Gasthaus „Zum Löwen“ als Küchenhilfe und kann im nächsten Monat ein Praktikum anfangen. Ahmed will als Koch arbeiten.

Die Warterei ist es, die er auch nicht so gut findet: „In den Containern langweilt man sich, man muss viel warten.“ Bei ihm steht noch der Termin für die nächste Anhörung aus.

Aus einer kleinen Musikanlage im Hintergrund läuft deutsche Popmusik, die sich mit arabischen Liedern abwechselt. Die Musik ist auch das Thema von Mustafa Arafan aus Syrien. Er rappt auf Arabisch und Kurdisch, und sobald er besser Deutsch sprechen kann, will er auch auf Deutsch rappen. Sein Antrag ist durch und er hat eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Jetzt sucht er eine Wohnung, wobei leider nicht alles so gut klappt: „Ich bin mit zwei anderen Männern im Zimmer, das ist nicht gut, um Deutsch zu lernen. Und mein Bruder ist in Stuttgart und ich hier.“

500 Geschenke gespendet

Die Zimmerproblematik hat auch Sanna Kassama aus Gambia, wie er beipflichtet: „Drei Personen in einem Zimmer, das ist keine gute Situation.“ Kassama kam im vergangenen Monat von Oftersheim nach Hockenheim und besucht momentan einen Deutschkurs.

Während sich die Besucher austauschen, verteilen die ehrenamtlichen Helfer des Asylnetzwerkes Weihnachtsgeschenke. Über einen Aufruf in unserer Zeitung hatte das Asylnetzwerk die Hockenheimer dazu gebeten, kleine Geschenke mit Dingen wie Shampoo, Duschgel und einer Tafel Schokolade zu spenden. „500 Stück kamen so zusammen, allein 100 davon von Blumen Heinzmann“, schwärmt Manuela Offenloch von der Spendenbereitschaft der Hockenheimer. „Und über die Geschenke freuen sich alle aufrichtig, auch wenn man Weihnachten vielleicht nicht kennt.“ In der Tat ist Bah sehr überrascht und erfreut, als er das kleine Präsent erhält.

Bei einem der hinteren Lagerfeuer holt Teklit Habtai seine Kirar, ein Zupfinstrument aus Eritrea ähnlich einer Leier, und beginnt zu spielen und dazu zu singen. Ein Liebeslied, wie er erklärt.

© Jochen Lochner, Hockenheimer Tageszeitung, Samstag, 24.12.2016

Zu Weihnachten endlich mit der Familie vereint

Asylnetzwerk: Arbeitskreis Soziales lädt Flüchtlinge regelmäßig zu Treffen mit Ehrenamtlichen und Institutionen / Syrer Toni nimmt erstmals mit Frau und Kindern teil

Weihnachten wird 2016 für Toni aus Syrien komplett anders als im vergangenen Jahr: Nach rund zwölfmonatiger Wartezeit ist er wieder mit seiner Familie vereint. Mit seiner Frau Hanan und den Kindern Christeen (17), den Zwillingen Karolean und Yousef (14) und Mera (3), die vor etwa sechs Wochen aus dem syrischen Latakia gekommen sind, wohnt er in Anschlussunterbringung in einer Wohnung in der Ottostraße. Die Familie lebt sich langsam in Hockenheim ein, unterstützt vom Asylnetzwerk. Die Ehrenamtlichen haben am Montagabend zu einem Treffen ins Gemeindezentrum St. Christophorus eingeladen, um das Knüpfen weiterer Kontakte zu ermöglichen.

Dabei sollen sich nicht nur die in Hockenheim untergebrachten Flüchtlinge in Anschlussunterbringung und ihre Betreuer oder Paten untereinander besser kennenlernen, ansprechbar sind auch Institutionen wie das Deutsche Rote Kreuz, Kolpingsfamilie, Kinderschutzbund oder der Kunstverein, erläutert Franz Villinger, Sprecher des Arbeitskreises Soziales im Asylnetzwerk, bei der Begrüßung.

Ansprechpartner für viele Anliegen

Alle zwei Monate lädt der Arbeitskreis zu den Treffen ein, es ist die siebte Zusammenkunft in St. Christophorus. Villinger stellt die Beteiligten vor, Hala Alede übersetzt für die syrischen Gäste.

Michael Gelb vom DRK ist erstmals in seiner neuen Funktion als Ansprechpartner für Flüchtlinge in Anschlussunterbringung und als Integrationsbeauftragter der Verwaltungsgemeinschaft dabei. Seine Kollegin Kerstin Grunwald leitet den Second-Hand-Laden in der Karlsruher Straße. Barbara Itschner ist für den Kinderschutzbund dabei, der sich um Familien kümmert, die Nachwuchs bekommen, wie die jungen Eritreer, bei denen das im Januar gleich doppelt der Fall sein wird.

Kunstverein begleitet beim Malen

Die Kolpingsfamilie, vertreten durch Stefanie und Peter Simons sowie Klaus Mann, hat Bücher in Arabisch und Deutsch als Geschenke für die Kinder mitgebracht und lädt zu ihren Spieletreffs ein. Und Ingrid Meierhöfer stellt namens des Kunstvereins das Projekt „Begleitetes Malen“ vor, das sich an Frauen, Männer und Kinder gleichermaßen richtet.

Dabei gehe es nicht darum, ein Kunstwerk zu schaffen: Die Teilnehmer sollen sich vielmehr „mit Farben anfreunden, gemeinsam malen und eine schöne Zeit miteinander verbringen.“ Spontan zeigten sich sowohl einige Kinder als auch Erwachsene am Projekt interessiert.

Eine schöne, wenn auch nicht ganz einfache Zeit verbringen auch Toni und seine Familie miteinander, seit Frau und Kinder das Haus von Tonis Eltern in Latakia verlassen haben und via Beirut nach Deutschland geflogen sind. Sie hatten seit sechs Jahren bei den Großeltern gelebt, weil sie aus ihrem Dorf fliehen mussten, als der IS dort auftauchte, berichtet Toni. „Alle Häuser sind inzwischen zerstört dort“, blickt er zurück.

Christeen, Karolean und Yousef haben sich in Syrien das deutsche Alphabet beigebracht und können sich nach den sechs Wochen schon auf Deutsch verständigen. Die Zwillinge besuchen die Hartmann-Baumann-Schule, die 17-Jährige die Louise-Otto-Peters-Schule, derzeit steht natürlich das Deutschlernen im Vordergrund, die Klassen bestehen nur aus Flüchtlingskindern, so dass die Jugendlichen unter einheimischen Gleichaltrigen noch keine Freunde gefunden haben.

Kontakte über Gesang knüpfen

Sie hoffen, dass sich das ändert, wenn ab Januar in der Kirche eine neue Singgruppe gegründet wird, an der sie teilnehmen möchten. Denn Choräle in der Kirche haben sie in Syrien auch regelmäßig gesungen. Toni und seine Familie sind orthodoxe Christen. „Davon gibt es rund 1,5 Millionen in Syrien, mehr als Katholiken“, berichten die Kinder. Wobei religiöse Unterschiede keine Rolle gespielt hätten zuhause – alle hätten friedlich miteinander gelebt.

Für ihre Zukunft haben die Mädchen schon konkrete Vorstellungen: Christeen möchte Architektin werden, Karolean viele Sprachen lernen. Deshalb möchten sie lieber weiter zur Schule gehen als eine einfache Ausbildung zu beginnen. Ab kommender Woche besucht sie Elisabeth vom Asylnetzwerk, um zuhause Deutsch mit ihnen zu üben.

Mit ihrem Papa hatten sie regelmäßig Kontakt übers Telefon über Whatsapp und andere Nachrichten-Programme, und so hält die Familie jetzt auch die Verbindung zu den Großeltern, die an der syrischen Mittelmeerküste geblieben sind – „wenn der Strom nicht gerade aus ist“, kommt die Einschränkung.

Die Familie hat auch Verwandte in Hockenheim: Zwei von Tonis Schwägern sind in Hockenheim untergebracht, andere Familienmitglieder leben in Schweden und Belgien, erzählen sie, während Grace am Flügel zwei Weihnachtslieder spielt, die sie neu gelernt hat: „Jingle Bells“ und „Stille Nacht“.

Für Toni, der in Syrien als Fliesenleger gearbeitet hat und hier bereits sechs Monate Praktikum sowie einige Minijobs absolvierte, beginnt ab Januar ebenfalls das intensive Deutsch-Pauken mit dem Sprachkurs. Er ist im März von der Gemeinschaftsunterkunft im Pfälzer Ring in die Ottostraße gezogen, zunächst in eine Wohngemeinschaft, jetzt mit seiner Familie in eine andere Wohnung im Haus – gute Voraussetzung für ein anderes, ein besseres Weihnachtsfest.

© Matthias Mühleisen, Hockenheimer Tageszeitung, Donnerstag, 22.12.2016

Erfolgreiche Premiere für mobile Kleiderkammer

img_6030_h img_6031_h img_6032_ak img_6038_akCa. 90 Flüchtlinge, überwiegend aus der Unterkunft in der Brühler Strasse, haben die mobile Kleiderkammer des DRK am vergangenen Samstag besucht. Für zwei Stunden wurde aus der Garage im Ortsverein des DRK ein Kleiderladen, bestückt mit warmen Wintersachen. Am schnellsten waren Handschuhe, Mützen und Schals „ausverkauft“. Alle waren sich einig, dass diese gelungene Aktion eine Wiederholung wert ist. Unten einige Bilder:

 

Kooperation eröffnet neue Möglichkeiten

MITGRATION UND INTEGRATION: DRK-Mitarbeiter Natascha Pfau, Kerstin Grunwald, Andreas Kellner und Michael Gelb stellen ihre Arbeit im Auftrag der Stadt vor

Die Stadt wird enorm entlastet, die Arbeit liegt in professionellen Händen: Die Kommune hat einen Dienstleistungsvertrag mit dem Deutschen Roten Kreuz (Kreisverband Mannheim) für die Bereiche Migration und Integration abgeschlossen (wir berichteten).

Dieser stellt für Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg eine sogenannte Win-win-Situation dar: Erfahrene Mitarbeiter des DRK seien tätig, durch Fördermaßnahmen kommen vielleicht noch weitere hinzu, und es würden sich ganz andere Möglichkeiten ergeben als in einem kleinen Team der Stadt. „Oberbürgermeister Dieter Gummer und ich selbst begrüßen die Kooperation mit dem Roten Kreuz sehr und sehen einer erfolgreichen Tätigkeit entgegen“, betonte Jakob-Lichtenberg in der jüngsten öffentlichen Zusammenkunft des Ausschusses Soziales, Bildung, Kultur und Sport.

Die Aufgabenschwerpunkte
In der Sitzung stellten sich die für Hockenheim zuständigen DRK-Mitarbeiter vor: Natascha Pfau, Leiterin der Einrichtung Migration und Integration, arbeitet von Mannheim aus, Kerstin Grunwald, Projektkoordinatorin im Südbereich und Leiterin des Second-Hand-Ladens in der Karlsruher Straße, Krisenbegleiter Andreas Kellner (Streetwork/Obdachlosenbetreuung) und Michael Gelb (Anschlussunterbringung, Integration und Koordination) sind vor Ort.
Die vier DRKler stellten in der Sitzung die einzelnen Aufgabenschwerpunkte vor. Sozialpädagogin Natascha Pfau verwies auf ein Team mit unterschiedlichen Ausbildungen: „Das ergänzt sich gut.“ Ziel sei die langfristige Unterstützung benachteiligter Menschen bei der Teilhabe an unserer Gesellschaft im Sinne unserer Grundsätze sowie die Förderung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit.

Hilfe in Konfliktsituationen
Kerstin Grunwald, Betriebswirtwirtin mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement, koordiniert Begegnungs- und Bildungsangebote für benachteiligte Menschen, insbesondere Frauen mit Fluchterfahrung und besonders schutzbedürftige Personen.
Darüber hinaus leitet sie den Second-Hand-Laden in der Karlsruher Straße 8. Sie verwies auf die Kooperation mit dem Hockenheimer DRK-Ortsverein, dem Asylnetzwerk sowie anderen Organisationen und brachte klar zum Ausdruck: „Wir wollen keine Konkurrenz sein, sondern ergänzende Angebote bieten.“

Andreas Kellner, Krisenbegleiter mit Kontaktstudium „Flucht und Migration“, möchte die Arbeit von Sozialarbeiter Andreas Ledderhose in Sachen Streetwork und Obdachlosenbetreuung erfolgreich fortsetzen.

Er will unter anderem Bedarfe von Jugendlichen und Obdachlosen regelmäßig erfassen, Ansprechpartner für Anwohner sein, diese bei Konfliktsituation unterstützen, bei Bedarf Deeskalationsstrategien vermitteln, eine tragfähige Beziehung zu den Jugendlichen und Obdachlosen, die sich im öffentlichen Straßenraum aufhalten, aufbauen, Jugendliche und Obdachlose in Problemsituationen unterstützen (Einzelfallhilfe), dem Jugendgemeinderat bei der Durchführung von Projekten unter die Arme greifen und ein Auge auf kontrollierende Aspekte im öffentlichen Straßenraum sowie Sicherstellung des Jugendschutzes haben.

Koordination des Asylnetzwerks
Michael Gelbs Leistungsbeschreibung ähnelt der des Streetworkers. Das Aufgabengebiet in den Bereichen Anschlussunterbringung, Integration und Koordination ist breit gefächert. Der Jurist und Hockenheimer Stadtrat erfasst die Bedarfe der Geflüchteten und stellt Informationen für die Ehrenamtlichen des Asylnetzwerks bereit. Er berät und unterstützt Flüchtlinge in den unterschiedlichsten Fällen – vom Ausfüllen eines Formulars und Stellen von Anträgen bis zur Vernetzung in der Verwaltungsgemeinschaft – und koordiniert das Asylnetzwerk.
Thomas Jakob-Lichtenberg war es ein besonderes Anliegen, Michael Gelb für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz in den vergangenen Monaten zu danken: „Das war nicht selbstverständlich und mit sehr viel Arbeit verbunden.“

Michael Gelb, der jetzt beim DRK hauptberuflich beschäftigt ist, übernahm und übernimmt auch in Zukunft neben seinen anderen ehrenamtlichen Funktionen auch die Aufgaben der Integrationsbeauftragten der Stadt, Alicja Sidki, die aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht zur Verfügung steht.

© Hockenheimer Tageszeitung, Mittwoch, 16.11.2016

Aufgaben nur Hand in Hand zu meistern

FLÜCHTLINGSUNTERBRINGUNG: Stadt stellt Gemeinschaftsunterkunft Pfälzer Ring 20 nach fünfmonatiger Sanierung Ehrenamtlichen und Gemeinderat vor / 895 000 Euro investiert

Sie ist das größte Objekt der Stadt Hockenheim im Bereich der kommunalen Anschlussunterbringung und für Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg ein „Ausdruck der engen Zusammenarbeit für Flüchtlinge innerhalb unserer Stadtgesellschaft“: die Gemeinschaftsunterkunft Pfälzer Ring 20 im Talhaus, die gestern eingeweiht wurde. Fünf Monate lang war das Anfang der 90er Jahre errichtete Gebäude saniert worden, 895 000 Euro hat die Stadt investiert. Ab Anfang Oktober können hier bis zu 60 Menschen in der kommunalen Anschlussunterbringung ein neues vorübergehendes Zuhause finden.

Bevor voraussichtlich im Laufe der kommenden Woche die ersten Flüchtlinge einziehen, hat die Verwaltung gestern Mitgliedern des Gemeinderats und Ehrenamtlichen des Asylnetzwerks die Gelegenheit gegeben, sich einen Eindruck zu machen. Auch Vertreter der benachbarten Unternehmen und Betriebe sowie die am Umbau Beteiligten waren eingeladen.

Dank für gute Zusammenarbeit
Thomas Jakob-Lichtenberg erklärte, dass die komplette Sanitär- und Elektroinstallation sowie die Heizungsanlage erneuert worden sei. Jedes der 21 Appartements hat seine eigene Nasszelle und Kitchennette, die früheren Gemeinschaftsbäder und -küchen wurden entfernt. Die Zimmer können jeweils von drei Personen bewohnt werden, wobei die ab Januar 2018 pro Person gesetzlich vorgeschriebene Quadratmeterzahl von 7 (statt aktuell 4,5) bereits berücksichtigt sei.

Den Umbau für die kommunale Flüchtlingsunterbringung habe, so der Bürgermeister, insbesondere der Gemeinderat durch seine Beschlüsse ermöglicht. „Gemeinderat, Stadtverwaltung und die ehrenamtlichen Helfer des Asylnetzwerks arbeiten mit vielen Bürgern Hand in Hand, um die Herausforderungen der Flüchtlingszuwanderung in Hockenheim zu bewerkstelligen.“ Es sei schön, dass dies seit der Willkommen-und-Ankommen-Veranstaltung im vergangenen Jahr bisher so gut gelungen ist. Dafür dankte Jakob-Lichtenberg vor allem den Ehrenamtlichen: „Ohne Ihren Einsatz wäre dies nicht möglich gewesen.“

Die sanierte Gemeinschaftsunterkunft sei aber auch ein Zeichen dafür, welche Anstrengungen auch künftig erforderlich seien, „um in der ungewissen Situation der Flüchtlingszuwanderung zu bestehen“. Laut Auskunft des Landrats seien derzeit 245 Menschen in Hockenheim vorläufig untergebracht – also in der Zuständigkeit des Rhein-Neckar-Kreises. Sie kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan, Irak und Pakistan. Weitere 300 Flüchtlingen kommen voraussichtlich Anfang November in der neuen Gemeinschaftsunterkunft in der Brühler Straße unter. Laut Karl Winkler, Referatsleiter für die Unterbringung der Asylbewerber und Flüchtlinge im Kreis-Ordnungsamt, ist die von einem privaten Investor errichtete Unterkunft frühestens Ende Oktober bezugsfertig.

Noch 112 Plätze dieses Jahr nötig
Wenn der Rhein-Neckar-Kreis auch aktuell eine „kleine Verschnaufpause“ bei der Zuteilung von Flüchtlingen durch das Land erlebe, die die Reduzierung von Notbelegungen ermögliche, so bleibe es doch notwendig, sich um weitere Gemeinschaftsunterkünfte zu kümmern. „Dieser Aufgabe muss sich auch Hockenheim stellen“, unterstrich Jakob-Lichtenberg. In diesem Jahr müsse die Stadt noch 112 Plätze in der Anschlussunterbringung zur Verfügung stellen, im kommenden voraussichtlich 120. Der Bürgermeister dankte allen Beteiligten für die „gute und schnelle Bauausführung“.

Architekt Eberhard Vögele sagte, die Gemeinschaftsunterkunft habe für sein Büro eine besondere Bedeutung. Nicht die Architektur oder Herausforderungen bei der Sanierung seien dafür verantwortlich, sondern die Funktion und die Nutzung des Gebäudes: „Es wird vielen Menschen mit schwerem Schicksal eine neue Heimat werden.“ Vögele dankte dem Gemeinderat für seine Entscheidung, dem Vorschlag zu folgen, dass alle Appartements über Sanitärbereiche verfügen und die Größe über dem Mindestmaß liegt.
Für die Flüchtlinge, die in den Pfälzer Ring 20 einziehen, spendete das Architekturbüro Vögele 1000 Euro, die er die Stadt und das Asylnetzwerk bat, „mit engagierten Menschen sinnvoll anzulegen.“

© Hockenheimer Tageszeitung, Donnerstag, 29.09.2016

Diakonie: Informations-, Weiterbildungs- und Austauschangebote für Ehrenamtliche

Die Diakonie im Rhein-Neckar-Kreis und der Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz bieten im Herbst verschiedene Informations-, Weiterbildungs- und Austauschangebote an. Im Einzelnen sind das:

1. „Wenn das Schlimme nicht aufhören will“, 28.9., 18 bis 21 Uhr in Hockenheim
2. „Türen öffnen – Fit durch interkulturelles Training“, 15. u. 29.10., je 10 bis 17 Uhr in Schwetzingen
3. „Gender und Flucht“, 10.11., 18 Uhr in Nussloch
Außerdem das regelmäßig geplante „Austauschtreffen Asyl“, das erstmals am 12.10. zwischen 17.30 und 19.00 Uhr in Eppelheim stattfinden wird.

 

Weitere Details zu den Veranstaltungen und zur Anmeldung finden Sie hier: flyer-angebote-fuer-ehrenamtliche_sk_20160920_final

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Ansprechpartnern im Bereich Flucht und Migration bei Diakonie und Kirchenbezirk in der Südlichen Kurpfalz: ekisk_flyer_migrationflucht

 

15. Agenda-Geburtstag in Hockenheim

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 15. Oktober 2016 feiert die Lokale Agenda Hockenheim ihren 15. Geburtstag.

Zu diesem Ereignis, das wir von 11 bis 17 Uhr in der Stadthalle gebührend und mit einem tollen Programm feiern werden, lade ich Sie herzlich ein!

Die aktiven Gruppen werden sich vorstellen, wir haben ein vielseitiges und unterhaltsames Bühnenprogramm und interessante Vorträge. Für Jung und Alt ist etwas dabei! Außerdem freuen wir uns, dass sich auch Kooperationspartner von uns vorstellen werden. BUND und NABU, Tinas Bienenkorb, der Arche Weltladen, evandamaralda mit umweltfreundlichen Körperpflegeprodukten, der Imkerverein Kurpfalz, der Bauernhof Rinklef mit frischem Apfelsaft und die Gustav-Lesemann-Schule werden dabei sein.

Wir freuen uns, wenn Sie mitfeiern und bei dieser Gelegenheit auch die anderen Agenda-Gruppen kennenlernen!

Ich füge eine Einladung mit dem Programm an. Bitte geben Sie diese Einladung gerne an Familie, Freunde und Bekannte weiter!

Herzliche Grüße und bis zum 15. Oktober

Elke Schollenberger

Einladung als PDF: einladung-zum-15-agenda-geburtstag

Unterstützung bei Bewältigung des Alltags

ARBEITSKREISE DES ASYLNETZWERKS (4): Der AK Soziales verlagert seinen Schwerpunkt nach gut einem Jahr auf die Begleitung der Anschlussunterbringung / Helfer gesucht

Die Unterstützung, Begleitung und Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden ist eine Aufgabe, die die Kommunen ohne ehrenamtliche Helfer nicht bewältigen können. In Hockenheim haben sich die Ehrenamtlichen im April 2015 zum Asylnetzwerk zusammengeschlossen, um koordiniert und effizient helfen zu können – mit gutem Erfolg, wie Rückmeldungen aus Landratsamt, Rathaus und Polizeirevier immer wieder zeigen. In einer Serie stellen wir die Angebote der fünf Arbeitskreise des Asylnetzwerks vor. Im vierten Teil stellen wir den Arbeitskreis Soziales vor, dessen Aufgaben sich durch die Anschlussunterbringung von Familien verändern.

Flüchtlingen bei der Bewältigung des Alltags zu helfen, das betrachtet der Arbeitskreis Soziales als seine Hauptaufgabe. „Aber immer unter dem Schwerpunkt Hilfe zur Selbsthilfe“, betont AK-Sprecher Franz Villinger, dass Rundumbetreuung nicht das Ziel der Ehrenamtlichen ist.

Die Arbeit begann im Mai/Juni vergangenen Jahres, als die ersten Flüchtlinge im „Steffele“ eintrafen. Die Helfer begrüßten die Menschen, die überwiegend vom Balkan kamen, mit kleinen Willkommenspaketen und erleichterten ihnen die Orientierung mit einem Stadtrundgang, bei denen sie ihnen Einrichtungen wie das Rathaus sowie Einkaufsmöglichkeiten zeigten.

Alltagsgegenstände gesammelt

Zur Versorgung mit Kleidung wurde Kontakt zur Kleiderstube der Arbeiterwohlfahrt in Neulußheim vermittelt. Eine Sammelaktion stellte die Deckung des Bedarfs mit Alltagsgegenständen wie Küchenutensilien und kleineren Möbeln sicher. Angebotene Begleitdienste, etwa für Behördengänge, wurden nicht nachgefragt, so dass sich der AK auf Erstkontakte und Unterstützung bei der Beschaffung konzentrierte.

Mit dem Bezug der Gemeinschaftsunterkunft im Pfälzer Ring im November wuchs der Kreis der Unterstützten stark an. Der Arbeitskreis organisierte Besuche mit dem Linienbus in der Kleiderstube, „damit die Leute auch gleich mit der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel vertraut werden“, erklärt Villinger. Die wichtigsten Gebäude der Stadt wurden in einem Rundgang gezeigt.

Die rund 120 Bewohner der Unterkunft in der IV. Industriestraße wurden gleich bei ihrer Begrüßung über den öffentlichen Nahverkehr informiert, weil sie teilweise schon während ihrer Unterbringung in Schwetzingen mit Praktika begonnen hatten. Die Erwartung, dass sich die Selbsthilfe dergestalt entwickelt, dass die Flüchtlinge aus dem Pfälzer Ring denen in der Industriestraße helfend und beratend zur Seite stehen, habe sich nicht bestätigt: „Wir mussten feststellen, dass der Austausch sehr gering ist.“

In Absprache mit der Stadtverwaltung verlagert der Arbeitskreis nun seinen Schwerpunkt auf die Betreuung der Flüchtlinge in Anschlussunterbringung, für die die Stadt zuständig ist. Das sind derzeit etwa 60 Menschen, mit rund 50 haben die Helfer Kontakt, darunter fünf syrische Familien und eine aus Eritrea. Auch eine Familie aus dem Irak, die noch in der Erstunterbringung in Hockenheim lebt, wird betreut.

Erster Ansprechpartner sein

Das Wort „Patenschaft“ benutzt der Arbeitskreis-Sprecher in diesem Zusammenhang nicht gerne, weil es den Eindruck von Langfristigkeit vermittle. „Erstansprechpartner“ treffe es besser. „Wenn es harmoniert, entwickelt sich meistens sowieso durch den persönlichen Kontakt eine Beziehung – und wenn nicht, löst es sich wieder auf, das ist auch ganz normal“, sagt Villinger.

Bestens organisiert sei – auch dank der Eröffnung des neuen DRK-Ladens – das Kleider- und Sachspendenmanagement, das Netzwerk unterhält ein kleines Lager in der Oberen Hauptstraße 92, das Neuankömmlinge schnell ausstatten kann.

Regelmäßige Treffen mit Kinderbetreuung im Gemeindezentrum St. Christophorus sorgen für Austausch der Familien untereinander sowie mit den weiteren Arbeitskreisen und dem Kinderschutzbund.

Neue Herausforderungen warten schon, wenn in den kommenden Wochen weitere 80 Menschen in Anschlussunterbringung kommen im Pfälzer Ring und in der Leopoldstraße. Dafür haben die Ehrenamtlichen noch Schulungsbedarf, etwa wenn es um die Unterstützung bei Formalitäten mit Behörden geht. Das gelte besonders für das Spezialthema Familienzusammenführung. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch soll die Arbeit erleichtern.

© Hockenheimer Tageszeitung, Freitag, 16.09.2016

Veranstaltungsreihe Wieslocher Migrationsgeschichte(n)

Unter dem Dach der Bürgerstiftung Wiesloch findet vom 2.10. bis 6.11.2016 eine Veranstaltungsreihe „Wieslocher Migrationsgeschichte(n)“ statt. Sie soll die wiederkehrenden Einwanderungswellen der letzten 70 Jahre aus Sicht der Forschung, aber auch aus Sicht von Zeitzeugen aufarbeiten, um im Hinblick auf die jetzige Flüchtlingssituation daraus zu lernen.

Das Gesamtprogramm mit insgesamt 14 Veranstaltungen findet man unter Programm – Wieslocher Migrationsgeschichte/n

 

Im Austausch Berührungsängste abbauen

ARBEITSKREISE DES ASYLNETZWERKS (3): Der AK Begleitung ermöglicht Begegnung und Kommunikation vor allem im Café Komm / Informationsbörse auch für Ehrenamtliche

Die Unterstützung, Begleitung und Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden ist eine Aufgabe, die die Kommunen ohne ehrenamtliche Helfer nicht bewältigen können. In Hockenheim haben sich die Ehrenamtlichen im April 2015 zum Asylnetzwerk zusammengeschlossen, um koordiniert und effizient helfen zu können – mit gutem Erfolg, wie Rückmeldungen aus Landratsamt, Rathaus und Polizeirevier immer wieder zeigen. In einer Serie stellen wir die Angebote der fünf Arbeitskreise des Asylnetzwerks vor. Im dritten Teil stellen wir den Arbeitskreis Begleitung mit seinem regelmäßigen Begegnungsangebot im Café Komm vor.

Die Türen zum Café Komm waren seit seiner Eröffnung nur zweimal geschlossen: beim Hockenheimer Mai und in der Putzwoche des Lutherhauses. Sonst beeinflussen weder Feiertage noch Ferien den Betrieb des Begegnungscafés für Flüchtlinge und Ehrenamtliche.

Für Konrad Sommer, einen der rund 20 Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Begleitung, barg gerade der zweite Weihnachtsfeiertag 2015 ein Schlüsselerlebnis: „Wir haben spontan beschlossen, das Café aufzumachen, Christoph Tischmeyer erklärte sich bereit, Musik zu machen, Nancy Gelb hat Plätzchen mit den Männern gebacken – da haben wir richtig Spaß gehabt mit den Besuchern.“

Kontaktstelle zur Familie

Das „Komm“ im Namen steht unter anderem für Kommunikation in vielfacher Hinsicht. Nach der freundlichen Begrüßung mit Handschlag sind viele Besucher zunächst in ihr Smartphone vertieft.

Das wertet Hanna Tilch jedoch nicht als Unhöflichkeit oder Abschottung: „Das ist für die Flüchtlinge doch oft die einzige Möglichkeit, in Kontakt mit ihren Familien in der Heimat zu treten, die wissen wollen, wie es ihnen geht“, berichtet sie. In der Gemeinschaftsunterkunft im Pfälzer Ring gibt es keinen W-Lan-Empfang, so dass die beiden Öffnungstage Dienstag und Samstag verlässliche Termine sind, um sich zuhause zu melden. Das schnelle Internet im Lutherhaus ist da sehr beliebt.

Die Besucher suchten aber auch den Kontakt zu den Betreuern, betonen Tilch und Sommer. Durch den Austausch werden Sprachkenntnisse auf- und Berührungsängste abgebaut. Am einfachsten geht das beim Tischfußball – „das spielen fast alle gerne“, so kommt schnell ein Gespräch auf.

„Es ist immer jemand da, den man etwas fragen kann, das nimmt eine Menge Potenzial für Missverständnisse und Aggression raus“, ist Sommer überzeugt. Die Mitglieder des Arbeitskreises wählen pro Termin ein Thema aus, über das in lockerer Runde gesprochen wird, etwa Haushaltsgegenstände. So werde die deutsche Sprache kombiniert mit Alltagskenntnissen vermittelt – „auf der Basis kann jeder sehr viel für Integration tun“, ergänzt Sommer. Es komme sehr selten vor, dass gar keine Verständigung über Deutsch, Englisch und Kombinationen möglich ist. In solchen Fällen wird der libanesische Eiscafé-Betreiber geholt, der fließend Arabisch spricht.

In den vergangenen Wochen haben sich die Arbeitskreis-Mitglieder intensiv mit der Vorbereitung des Begegnungsfests beschäftigt, das am Sonntag viel Zuspruch im alten Fahrerlager erfuhr (wir berichteten).

Interkulturelles Training bieten

Der Name Begleitung hat eine gewisse Unschärfe, findet Sommer, denn der Arbeitskreis begleite nicht einzelne Flüchtlinge kontinuierlich, er schaffe Kommunikationsräume und versuche, eine Art Fortbildungskatalog in interkulturellem Training aufzubauen und Bildungsangebote zu vermitteln. Ansonsten gehe es vor allem darum, zu wissen, zu wem man die jungen Männer schicken könne in verschiedenen Angelegenheiten, vor allem in den Asylverfahren.

Eine weitere Funktion des Café Komm ist, den Austausch der Ehrenamtlichen untereinander zu ermöglichen, den Informationsfluss in Gang zu halten, ob es dabei um materiellen Bedarf geht oder um amtliche Schreiben. Immerhin sei die Altersspanne der rund 170 Aktiven weit – vom jungen Azubi bis zu Menschen, „die stramm auf die 80 zugehen“, berichtet Konrad Sommer. Dabei würden die Grenzen der Arbeitskreise bewusst offen gehalten.

Der AK Begleitung hält Kontakt zu Wohlfahrtsverbänden, insbesondere dem Diakonischen Werk Rhein-Neckar und dem Caritasverband Rhein-Neckar, dafür zeichnet AK-Sprecher Pfarrer Michael Dahlinger verantwortlich.

Auf den Arbeitskreis und das ganze Asylnetzwerk warten viele Herausforderungen: „Der Stress steht uns noch bevor, wenn mehr Menschen in die Anschlussunterbringung kommen“, blickt Sommer voraus. Aber mit über einem Jahr (positiver) Erfahrung sehen die Ehrenamtlichen dem mit Zuversicht entgegen.

© Hockenheimer Tageszeitung, Donnerstag, 08.09.2016