Gut strukturiert für nächste Aufgaben bereit

FLÜCHTLINGSBETREUUNG: Asylnetzwerk sieht sich nach rund einem Jahr Arbeit gut aufgestellt / Anschlussunterbringung bringt neue Schwerpunkte / 172 Ehrenamtliche

Nach rund einem Jahr ehrenamtlicher Bemühungen, Flüchtlinge und Asylbewerber in das gesellschaftliche Leben Hockenheims zu integrieren, ist das Engagement beim Asylnetzwerk ungebrochen. Im Gegenteil: Die Liste wächst kontinuierlich, sie umfasst inzwischen 172 Namen, und inzwischen sei ein Multiplikator-Effekt zu spüren, indem Betreuer beispielsweise Familienmitglieder und Freunde in die Arbeit mit den Flüchtlingen einbringen, berichten Michael Gelb, Franz Villinger und Manuela Offenloch im Redaktionsgespräch.

Offenloch, Sprecherin des Arbeitskreises Freizeit, Sport und Kultur, spricht von einer „ausgesprochen guten und entspannten Stimmung unter den Helfern“. Michael Gelb sagt: „Wir profitieren immer noch davon, dass bei uns die Voraussetzungen komplett anders waren als an anderen Orten.“ Dass die Strukturen schon gefestigt gewesen seien, bevor die ersten Flüchtlinge kamen, sei ein großer Vorteil gewesen.

Entsprechend optimistisch sind die Netzwerker auch, dass es gelingen wird, die 138 Asylbewerber, die großteils am Dienstag von der Notunterkunft Racket-Center in Schwetzingen in die neu geschaffenen Räume in der IV. Industriestraße 5 umgezogen sind, genauso gut zu betreuen und zu integrieren.

Polizeilich völlig unauffällig

Ein wichtiger Indikator für den Erfolg der Arbeit ist die Tatsache, dass im Zusammenhang mit den 90 Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft im Pfälzer Ring nur vier Straftaten registriert wurden. „Das ist aus polizeilicher Sicht praktisch nichts“, unterstreicht Gelb und verweist auf 430 Flüchtlinge, die in der Verwaltungsgemeinschaft untergebracht sind und so wenig auffallen, dass das Polizeirevier von außen gefragt werde, ob es vergessen habe, Einträge einzupflegen.

Die Gründe dafür seien vielfältig: Zum einen sei die Unterkunft nicht so groß wie die in Schwetzingen, es seien andere Nationalitäten. Manuela Offenloch sieht auch einen Vorteil darin, dass im Pfälzer Ring sehr viele junge Männer wohnen: „Letztendlich sind sie trotz ihres kräftigen Äußeren noch Buben, man kann es nicht anders sagen.“ Ein sehr enges Netz biete Beschäftigung, aber auch Ansprache. „Wenn wir unten im Pfälzer Ring sind und merken, dass da was verrutscht, kann ich mich da mit sehr klaren Worten positionieren.“ Die jungen Bewohner brauchten Führung und eine Leitlinie.

Nähe sorgt für Entspannung

Die strikte Nähe des Asylnetzwerks, dass im Durchschnitt jeden Tag rund zehn Leute im Pfälzer Ring vorbeischauen, sorge für Entspannung. Einen wichtigen Einfluss habe auch der Deutschunterricht. Der Arbeitskreis Bildung organisiere während der Woche täglich zweimal eineinhalb Stunden Sprachkurse.

Die Helfer freuen sich, dass dieser große Einsatz Früchte getragen hat: Viele Bewohner der Containerunterkunft seien ganz eigenständig geworden, unterhalten sich auf Deutsch mit den Mitgliedern des Asylnetzwerks, seien öfter und länger in der Stadt unterwegs. „Sie haben die Bespaßung nicht mehr so nötig“, fasst Manuela Offenloch augenzwinkernd zusammen.

Ein Großteil der Zimmer in der IV. Industriestraße war am Dienstagabend bezogen, als sich das Netzwerk mit Brezeln und Tee bei einem kleinen Empfang vorstellte. Die Stimmung sei ausgesprochen gut gewesen, berichtet Manuela Offenloch. „Jeder hat jetzt schon mal unsere Gesichter gesehen, das war wichtig.“

Verändern wird sich die Arbeit des Asylnetzwerks nicht nur wegen der Verdoppelung der Anzahl von Flüchtlingen in Hockenheim und der größeren Bandbreite ihrer Deutsch- und anderen Kenntnisse. Weil nun auch Unterkünfte für die Anschlussunterbringung zur Verfügung stehen, stehen auch andere Bedürfnisse im Vordergrund.

Familien persönlich betreuen

Die bestehende Infrastruktur, die das Asylnetzwerk aufgebaut hat, hilft auch hier enorm, die Aufgaben rasch zu erfüllen, erläutert Franz Villinger, der mit Pia Hauser Sprecher des Arbeitskreises Soziales ist. So haben zwei Frauen das Sachspenden-Management übernommen, die ein kleines Lager in der Oberen Hauptstraße für die Deckung des Erstbedarfs eingerichtet haben. Einige der rund 30 Mitglieder des Arbeitskreises übernehmen persönliche Betreuung der Familien, die erstmals selbstständig in Wohnungen leben und Hilfe bei der Bewältigung des Alltags brauchen.

Im Moment werden sieben bis acht syrische Familien und zwei aus Eritrea betreut, die jeweils zwischen zwei und fünf Kindern haben und für drei Jahre eine Aufenthaltsgenehmigung haben. Der Arbeitskreis Soziales organisiert regelmäßig Treffen, um sich gegenseitig kennenzulernen, aber auch die Familien in Kontakt zu bringen mit anderen Arbeitskreisen, gerade auch dem für Arbeit. Denn die Flüchtlinge können bei ausreichenden Deutschkenntnissen relativ schnell arbeiten gehen.

Ein weiteres Stadium der Unterstützung wartet auf die Ehrenamtlichen, wenn die Flüchtlinge aus dem Pfälzer Ring, die im November gekommen sind, ihre Anhörungen und ihre Anerkennung haben. Das sei „extrem aufwendig“, weiß Michael Gelb nach dem Austausch mit Schwetzinger „Kollegen“. „Da muss man sich innerhalb kürzester Zeit um alles Mögliche kümmern, und das kriegen die Flüchtlinge alleine nicht hin“, erklärt er.

Als Beispiele nennt er Besuche bei Jobcenter, Ausländeramt, Krankenkasse. Wenn es um Familiennachzug geht, etwa bei Eritreern, müsse oft auch ein Anwalt eingeschaltet werden, weil das binnen drei Monaten geschehen müsse.

Dass das Asylnetzwerk auch diese Aufgabe meistern wird, bezweifeln Gelb, Villinger und Offenloch nicht. „Jeder Arbeitskreis macht einen tollen Job“, ist Manuela Offenloch überzeugt. Die meisten Mitglieder haben die AKs Freizeit und Soziales (je 45), gefolgt von Bildung (40) und Begleitung (30), Arbeit (9), Fahrradgruppe und W-lan (je 8), Kleiderspenden (6) und Sachspenden (2).

Neue Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen, betonen die Sprecher, die gerne einen ersten Kontakt begleiten. Am Stand des Asylnetzwerks beim Hockenheimer Mai sei spürbar gewesen, dass die Hockenheimer großes Interesse haben. Dass sich so viele Flüchtlinge bei der Zubereitung des Speisenangebots beteiligt haben, ist für Offenloch ein Idealbeispiel, wie Integration funktionieren kann.

Aus Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung von Redaktionsmitglied Matthias Mühleisen am 27.05.2016.

Verweis zum Bericht: http://www.morgenweb.de/region/schwetzinger-zeitung-hockenheimer-tageszeitung/hockenheim/gut-strukturiert-fur-nachste-aufgaben-bereit-1.2792446

Leckeres aus fernen Ländern begeisterte auf dem Hockenheimer Mai

„Kaffee mit Ingwer – das ist ja mal interessant“ – war oft am Stand des Asylnetzwerkes Hockenheim beim Hockenheimer Mai am letzten Samstag zu hören. Das Asylnetzwerk bot an seinem Stand zusammen mit den Hockenheimer Asylbewerbern Speisen und G2016-05-25Asylnetzwerk_Bericht Hockenheimer Mai_Bild 1etränke aus deren Herkunftsländern an. Da duftete es verführerisch nach frisch geröstetem Kaffee – und auch Weihrauch, der unbedingt zur eritreischen Kaffeezeremonie dazu gehört. Eine willkommene Erfrischung war bei dem warmen Wetter auch die gekühlte Obstbowle mit Orangen, Granatapfel, Pfefferminz und vielen weiteren Zutaten. Auch die Teigtaschen – Samosas und Bolanis – Teigtaschen aus Pakistan und Afghanistan, das Gemüse und der scharfe Rindfleischeintopf aus Eritrea, und die leckeren Süßspeisen aus Pakistan und Syrien wurden neugierig von den vielen Besuchern des Standes probiert.

Schärfe an den europäischen Gaumen anpassen

Das Asylnetzwerk Hockenheim engagiert sich seit etwa einem Jahr dafür, Asylbewerber in das gesellschaftliche Leben von Hockenheim zu integrieren. Der Hockenheimer Mai bot dazu eine besondere Gelegenheit. Bereits Wochen zuvor begannen die Planungen dazu. Die jungen Männer aus dem Flüchtlingsheim im Pfälzer Ring waren sofort bereit, ihren Beitrag zu diesem Fest zu leisten. „Ich möchte gerne den Hockenheimern etwas zurückgeben. Sie haben uns in den vergangenen Monaten so freundlich in ihrer Stadt aufgenommen“, sagt Teklit Habtai aus Eritrea.

In einer ersten Besprechung mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft wurde schnell klar, dass ein Stand mit Speisen aus den Herkunftsländern eine gute Möglichkeit ist, Gastfreundschaft zu erwidern und Kontakt mit den Hockenheimern herzustellen. Doch was anbieten? Um das herauszufinden, trafen sich einige Mitglieder des Arbeits2016-05-25Asylnetzwerk_Bericht Hockenheimer Mai_Bild 2kreises Freizeit mit Vertretern der einzelnen Nationen, um die von den Männern vorgeschlagene Speisen Probe zu kochen. „Das war ganz wichtig“, meint Marina Offenloch schmunzelnd, „wir haben nämlich schnell gemerkt, dass die Schärfe der Gerichte an den europäischen Ga
umen angepasst werden musste.“

Richtig ernst wurde es am Freitag vor dem Hockenheimer Mai. Da fanden sich dann 25 junge Männer aus dem Pfälzer Ring und sechs ehrenamtliche Helfer zum Kochen in der Küche des Pflegezentrums in Hockenheim zum Kochen ein. „Wir haben bis spät in die Nacht Gemüse gehackt, Teig geknetet, frittiert, gekocht und gebraten, bis die Bolani aus
Afghanistan, die Samosas aus Pakistan und die eritreischen Eintöpfe fertig in den Kühlhäusern standen“, lacht Tina Orth, eine der Organisatorinnen des Standes. Fast zehn Kilo Fleisch und mehr als mehr als 80 Kilo Gemüse und Obst wurden verarbeitet. Die syrischen Familien sorgten für den Nachtisch.

Am nächsten Tag war es dann so weit: Nach anfänglicher Zurückhaltung übernahmen die jungen Männer die Ausgabe der Speisen selbst. Viele Besucher waren überrascht, wie gut diese schon Deutsch sprechen und ihre Gerichte anpreisen. Auch die eritreische Kaffe
ezeremonie weckte die Neugier vieler Besucher und lud zum gemeinsamen Plausc
h über fremde Kulturen ein. Für die Flüchtlinge war es begeisternd zu sehen, wie gut ihr Essen bei den Besuchern ankam. „Manche fanden unsere Gerichte so lecker, dass sie mehrmals kamen und noch Freunde mitbrachten“, erzählt Naeem Zakir aus Pakistan mit strahlendem Ge
icht.

Zum guten Essen gehörte auch Unterhaltung: Die Trommelgruppe, welche einmal pro Woche unter der Leitung von Gunter Dubrau im Pfälzer Ring übt, spielte Lieder, die einige der jungen Männer und Besucher zum Tanzen animierte. Auf Stellwänden erfuhr man außerdem mehr über einige der Flüchtlinge, ihre Wünsche und Hoffnungen und die Situation in ihrer Heimat. Zusätzlich zu Verköstigung, Musik und Information, verkaufte der 2016-05-25Asylnetzwerk_Bericht Hockenheimer Mai_Bild 3Arbeitskreis Begleitung Bücher, die die Hockenheimer dem Asylnetzwerk spendeten. „Der Tag war ein voller Erfolg für uns alle und hat super Spaß gemacht – auch wenn ich nach zehn Stunden kaum mehr stehen konnte“, strahlt Martina Haas, die seit dem Morgen mit dabei war. „Wir haben uns insbesondere auch darüber gefreut, dass sich einige neue Mitglieder für das Asylnetzwerk angemeldet haben“, fährt sie fort, „denn Hilfe können wir wirklich brauchen – für D
eutschkurse, Patenschaften und viele, viele weitere Aufgaben.“

Ein großer Dank an die vielen Unterstützer

Wie immer bei solchen Aktionen, ist der Erfolg das Ergebnis vieler helfender Hände. Das Team des Arbeitskreis Freizeit des Asylnetzwerks Hockenheim und die Flüchtlinge bedanken sich für die großartige Unterstützung der folgenden Firmen, die großzügig mit hochwertigen Lebensmitteln und Materialien unterstützt haben: Aus Hockenheim die Metzgerei Hauser, der dm-Drogeriemarkt, der Vitamingarten, Tinte Toner und das Eiscafé „La Pallina“. Aus Neulußheim dem Biolandhof Merz und Adi´s Naturkost aus Brühl. Der Dank geht weiter an alle Hockenheimer Bürgerinnen und Bürger, die das Asylnetzwerk und die Flüchtlinge nicht nur an diesem Tag unterstützten. Wer sich mehr engagieren oder auch nur informieren will, erfährt mehr auf der Homepage www.asylnetzwerk-hockenheim.de.

Hockenheimer Mai mit dem Asylnetzwerk

Das Asylnetzwerk wird sich in diesem Jahr erstmals beim Hockenheimer Mai präsentieren. Zwei Arbeitskreise werden am 21. Mai einen gemeinsamen Stand anbieten und suchen dafür noch personelle Unterstützung:

Bücherflohmarkt (AK Begleitung): Anmeldung für Schichten über http://doodle.com/poll/r8syhrt239bm9was oder per Mail an: akbegleitung@asylnetzwerk-hockenheim.de.

Essens-/Informationsstand (AK Freizeit): Anmeldung für die Schichten über http://doodle.com/poll/mgk7cc3cq93x432t oder per Mail an: maistand@asylnetzwerk-hockenheim.de.

Erneuter Kleiderspenden-Sammeltermin des DRK in Hockenheim

Aufgrund der großen Nachfrage findet wieder eine Kleider- und Sachspendensammlung des DRK statt. Auf dem Zehntscheunenplatz und parallel auch wieder beim DRK Ortsverein, Im Auchtergrund 1, werden am Samstag, 9.4.2016 von 9 – 12 Uhr, die Spenden gesammelt. Besonders dringend gebraucht werden, Herrenbekleidung in kleinen Größen, Schuhe und Sportsachen. Für Fragen steht Christine Grein-de Lima, Telefon 06205/53 85, Mail christine.grein@drk-hockenheim.de zur Verfügung.

Geflüchtete lernen Akkordeon als Teil deutscher Musikkultur kennen

Im Rahmen des regelmäßig stattfindenden Begegnungscafés KOMM im Lutherhaus (dienstags von 17 bis 19:00 Uhr und samstags von 15 bis 17:00 Uhr) wurde den Geflüchteten, Ehrenamtlichen und Gästen am Ostersamstag wiederum ein besonderes Musikereignis geboten. Der Akkordeon-Lehrer Johannes Grebencikov (auc

Johannes Grebencikov und seine Akkordeon-Schüler begeisterten das Publikum im Lutherhaus (Bild: kso)

Johannes Grebencikov und seine Akkordeon-Schüler begeisterten das Publikum im Lutherhaus (Bild: kso)

h bekannt als Mitglied der Akustikband „Wörner Cocktail“) hatte mit seinen Schülern Lisa Kammer, Michael Ziegler, Nils Buchholz und Marcel Grebencikov ein kleines Ensemble zusammengestellt, welches den zahlreichen Zuhörern ein phantastisches Potpourri von zum Akkordeon passenden Musikstücken darbot. Solo, im Duett oder auch mit allen beteiligten Musikern als Mini-Orchester wurden unter anderem Stücke von Bach und Vivaldi gespielt. Aber auch auf Basis dynamischer Tango-Variationen wurde dem begeisterten Publikum die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten dieses Instruments, welches gerne auch als Handharmonika, Handklavier oder Ziehharmonika bezeichnet wird, nahegebracht. Während das umgangssprachlich bisweilen auch als Heimatluftkompressor, Quetschkommode oder Schifferklavier bezeichnete Instrument seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur deutschen Musikkultur gehört, war vielen der ausländischen Gäste eine gewisse Überraschung über Technik, Tonvielfalt und die musikalische Einsatzbreite des Akkordeons durchaus anzumerken. Am Ende dieses kleinen, aber sehr unterhaltsamen Konzerts dankte Nancy Gelb den Musikern mit kleinen Schokoladen-Präsenten und insbesondere dem engagierten „Asylnetzwerker“ Norbert Kircher, der dieses Konzert initiiert hatte.

kso

„Sunshine Runners“ trotzen trüber Witterung beim 10-Kilometer-Lauf in Brühl

Der Arbeitskreis (AK) Sport und Freizeit des Asylnetzwerks Hockenheim organisierte gemeinsam mit Mitgliedern der ASG Tria Hockenheim für Flüchtlinge eine Teilnahme am Heini-Langlotz-Lauf in Brühl. Der zehn Kilometer lange Lauf fand am letzten Sonntag statt. Der vom AK Sport und Freizeit seit einigen Wochen angebotene Lauftreff bekam in den letzten Tagen tolle Unterstützung von einigen Mitgliedern des ASG Tria in Hockenheim. Nicht nur Sach- und Geldspenden gingen hierbei ein, sondern auch die Idee an der Teilnahme beim Heini-Langlotz-Lauf wurde dort geboren.

Christian E. vom AK sowie Heidi Z. und Thorsten N. von der ASG Tria nahmen fünf Hockenheimer Flüchtlinge – Berhane M., Mebrahaton S., Ramin G., Filimon G., Zerenay T. – zu dieser tollen Veranstaltung mit. Unter dem von den Flüchtlingen selbst gewählten Namen „Sunshine Runners“ gingen die acht Teilnehmer am Sonntag in knall gelben Laufshirts bei kühlen Temperaturen um Punkt 12 Uhr an den Start.

Ehrenamtliche aus dem Asylnetzwerk Hockenheim und der ASG Tria Hockenheim mit den Läufern

Ehrenamtliche aus dem Asylnetzwerk Hockenheim und der ASG Tria Hockenheim mit den Läufern

Alle kamen ohne Blessuren und sehr glücklich ins Ziel, Berhane M. verfehlte als 12. Platzierter mit einer großartigen Zeit von 36:24,2 das Treppchen nur um knappe drei Minuten. Aber die Zeiten waren hier nur Nebensache, denn alle waren total begeistert von der Art der Veranstaltung und wurden von Ihrem Umfeld sehr positiv wahr- und aufgenommen. Viele Fotos wurden gemacht und etliche andere Läufer tummelten sich zum Meinungsaustausch bei den Athleten mit den zitronengelben Hemden – gelebte Integration!

Flüchtlinge packen fleißig mit an

INTEGRATION: Junge Männer aus Eritrea und Pakistan bringen Vogelpark in Schuss / Unterstützung für Einrichtung dringend notwendig

Der Vogelpark in der verlängerten Heidelberger Straße fristet schon seit Jahren ein sehr bescheidenes Dasein: Die Kasse ist leer und die Anzahl der Aktivisten, die sich um Tiere und Anlage kümmert, hält sich in Grenzen. Die einst florierende Einrichtung bietet keinen einladenden Eindruck. Dies soll sich ändern – mit tatkräftiger Unterstützung junger Flüchtlinge aus dem Pfälzer Ring. Teklit und seine Freunde aus Eritrea und Pakistan packen seit gut drei Wochen kräftig mit an, um den Vogelpark wieder in Schuss zu bringen.

„Daheim war es für viele von uns bereits ein Hobby, sich um Ziegen, Schafe und dergleichen zu kümmern. Hier im Vogelpark mithelfen zu können, macht uns daher allen sehr viel Spaß“, sagte der Eritreer im Gespräch mit unserer Zeitung. Gemeinsam werden Ställe ausgemistet, Laub gerecht, Wege gekehrt und Müll beseitigt.

Seit die Flüchtlinge unter fachmännischer Anleitung von Julia Stefan mitarbeiten, hat sich schon einiges getan. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin gibt Arbeitsgeräte aus und weist die Aufgaben zu. Sie ist vom Arbeitseifer der jungen Männer begeistert: „Die Jungs sind fleißig. Hier geht’s voran. Es hat sich schon einiges getan.“

Großer Wille, sich einzubringen

Wer die zehn Helfer bei ihrer Arbeit beobachtet, stimmt der „Chefin auf dem Platz“ zu: Da gibt es kein Rumstehen oder Hände in den Hosentaschen. Die Flüchtlinge klotzen richtig ran – freiwillig und mit Spaß.

Die Idee zum Vogelpark-Einsatz hatte Manuela Offenloch, Sprecherin des Arbeitskreises Freizeit im Asylnetzwerk: „Als ich gehört habe, in welchen Nöten sich der Vogelpark befindet, und Unterstützung dringend notwendig ist, habe ich Kontakt mit den Verantwortlichen aufgenommen.“ Manuela Offenloch hat dann mit den Bewohnern des Pfälzer Rings über das Projekt geredet und stieß auf offene Ohren, „Die wären am liebsten alle gleich mitgekommen“, freut sie sich über das Engagement der jungen Männer.

Die engagierte Mitarbeiterin des Asylnetzwerks hat den Flüchtlingen auch zu verstehen gegeben, dass sie durch ihre Arbeit der Stadt, in der sie leben, auch etwas zurückgeben können. Und das tun die jungen Männer mit viel Enthusiasmus und Spaß. Julia Stefan gegenüber unserer Zeitung: „Die Flüchtlinge sind sehr hilfsbereit, lernen fleißig Deutsch und bringen ihr Wissen ein. Manche brauchen gar keine Einweisung mehr. Sie wissen von sich aus, was gemacht werden muss.“ Manuela Offenloch ergänzt: „Die Jungs sind gut erzogen. Das Thema Frauen zum Beispiel spielt überhaupt keine Rolle. Wir werden voll akzeptiert.“

Unter tatkräftiger Mithilfe der Flüchtlinge soll der Vogelpark wieder so herausgeputzt werden, dass er für die Bevölkerung zu einem attraktiven Ausflugsziel wird. Derzeit sind in der Anlage vier Ziegen, 19 Enten, vier Pfauen, vier Goldfasane, 20 Tauben und jede Menge Vögel (54 Wellensittiche, zwei Aras, 12 Sittiche, zwei Papageien, vier Kakadus und ein Mohrenkopfpapagei) zu bestaunen.

Patenschaften für Tiere angedacht

Die Versorgung der Tiere kostet Geld. Geld, das eigentlich nicht vorhanden ist. Das Spendenschwein war bei unserem Besuch beispielsweise leer. Abhilfe könnten Vogelpatenschaften schaffen, bei denen Firmen oder Privatpersonen die Kosten fürs Futter übernehmen – eine der vielen Ideen von Manuela Offenloch. Sie kann sich auch ein kleines Frühlingsfest vorstellen, um die Kasse aufzubessern. Darüber hinaus lässt die Hockenheimerin ihre Kontakte spielen, um Dienstleistungen oder Sachspenden wie Farbe zu organisieren. Julia Stefan weiß den Einsatz zu schätzen: „Jetzt wird erst einmal aufgeräumt und gereinigt, dann geht es an die Optik.“

Mit vereinten Kräften soll der Vogelpark wieder zu einem lohnenswerten Ausflugsziel für kleine und große Hockenheimer und auswärtige Besucher werden. Wichtig ist aber nicht nur Manuela Offenloch ein weiterer Aspekt: „Das hier ist ein tolles Projekt für Integration.“

Artikel von Hans Schuppel aus der Hockenheimer Tageszeitung vom 05.03.2016: http://www.morgenweb.de/region/schwetzinger-zeitung-hockenheimer-tageszeitung/hockenheim/fluchtlinge-packen-fleissig-mit-an-1.2672494

Pakistaner sind bei ihrem Volkssport Cricket begeistert bei der Sache

Asylnetzwerk Hockenheim hatte zum besonderen Sport-Event in die Jahnhalle eingeladen

Batsman/Schlagmann kurz vor dem Schlag

Batsman/Schlagmann kurz vor dem Schlag

Kurz nach dem Abwurf des Balles

Kurz nach dem Abwurf des Balles

Zahlreiche Zuschauer folgten den Spielen

Zahlreiche Zuschauer folgten den Spielen

Gruppenbild aller Spieler mit den Verantwortlichen des HSV und des Asylnetzwerks sowie den Cricket-Experten Baig und Clayton.

Gruppenbild aller Spieler mit den Verantwortlichen des HSV und des Asylnetzwerks sowie den Cricket-Experten Baig und Clayton.

Am Fastnachtssonntag fand in der Jahnhalle auf dem HSV-Sportgelände eine für Hockenheim ungewöhnliche Sportveranstaltung statt. Auf Einladung des Asylnetzwerks spielte eine große Gruppe pakistanischer Asylbewerber aus der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises am Pfälzer Ring in der Halle Tape Ball.

Das ist eine Abwandlung des pakistanischen Nationalsports Cricket, bei dem der harte Leder-Kork-Ball durch einen mit farbigem Isolierband umwickelten Tennisball ersetzt wird. Bei der Vorbereitung und Durchführung der Aktion wurde das Asylnetzwerk von verschiedener Seite unterstützt. So sandte Brian Mantle, der Geschäftsführer des Deutschen Cricket Bundes, eine ganze Kiste mit gebrauchten Schlägern, Handschuhen, Bällen und anderen für das Spiel notwendigen Gegenständen.

Aus Heidelberg kam der Cricket- Abteilungsleiter Irfan Baig vom TSV Pfaffengrund, der mit jeweils einer Mannschaft in der Regional- und Bundesliga spielt. Gleichzeitig ist der gebürtige Pakistaner auch Vorsitzender des Baden-Württembergischen Cricket-Verbandes. Unter seiner Leitung wurde das Spielfeld vorbereitet, Mannschaften gebildet und die genauen Regeln vereinbart. Daraufhin ergab sich ein intensives Spiel über ca. 1,5 Stunden und anschließend eine etwas kürzere Revanche. Sehr interessiert wurde das Spiel von zahlreichen Besuchern auf den Tribünen, darunter andere Flüchtlinge, aber auch viele Ehrenamtliche aus dem Asylnetzwerk und vom HSV, verfolgt. Wer gerade nicht aktiv am Spiel beteiligt war, erläuterte den Außenstehenden die Regeln und die jeweilige Spielsituation.

Christoph Heinzelmann vom Arbeitskreis Freizeit, Sport und Kultur des Asylnetzwerks war froh über die gelungene Aktion, denn „Cricket zu spielen war der Wunsch, der an uns von den ca. 50 Pakistanis in der Containeranlage immer wieder herangetragen wurde.“

Organisator Michael Gelb bedankte sich insbesondere beim Vorsitzenden des HSV Claus-Uwe Hummel und dessen Stellvertreter Volker Gierß für die Möglichkeit in der Jahnhalle zu spielen. „Aber auch ohne unsere Cricket-Experten Irfan Baig und den in Hockenheim wohnenden Briten Paul Clayton als Schiedsrichter wäre es nicht gegangen“, schloss er auch diese in seinen Dank mit ein. Im Anschluss an die beiden Cricket-Spiele ging das sportliche Treiben nahtlos weiter. Weitere Bewohner des Pfälzer Rings aus Afghanistan, Eritrea und Pakistan hatten geduldig gewartet und konnten nun in der Halle endlich eine Runde Fußball spielen. Erfreulich ist, dass die eigentlich einmalige Aktion vielleicht bald eine Fortsetzung finden könnte. Die HSV-Verantwortlichen sahen, mit wie viel Spaß die jungen Männer bei der Sache waren und schauten spontan die Hallenbelegungspläne nach möglichen Lücken durch. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Freizeit des Asylnetzwerkes werden diese Möglichkeiten in der Halle zu spielen jetzt weiter geprüft.Außerdem kann sich der HSV gut vorstellen, das Außengelände für Cricket zur Verfügung zu stellen. Irfan Baig hatte während des Spiels einige begabte Spieler gesehen und sie eingeladen ein Training beim TSV Pfaffengrund anzuschauen. „Wir werden auf jeden Fall in Kontakt bleiben, vielleicht können wir im Sommer in Hockenheim dann einmal ein Freundschaftsspiel auf dem Außengelände machen, damit noch mehr Hockenheimer die traditionelle Sportart kennen lernen können.“

Über diesen Link gelangen Sie zu einem weiteren Bericht, der in der Hockenheimer Tageszeitung erschienen ist: http://www.morgenweb.de/region/schwetzinger-zeitung-hockenheimer-tageszeitung/hockenheim/vielleicht-gibt-s-eine-neue-hsv-abteilung-1.2635579.

Arbeitsflächen in den Küchen der Containerunterkunft

In den Küchen der Containerunterkunft am Pfälzer Ring standen bisher keinerlei Arbeitsflächen zur Verfügung. Daher war die Vorbereitung von Speisen sehr ungeschickt. Ein kleines Team aus dem Arbeitskreis Soziales hat gemeinsam mit den Bewohner dem jetzt Abhilfe geschaffen. Zunächst fuhren Pia Hauser und Marina Offenloch mit zwei Bewohnern zum Baumarkt und kauften für jede Küche Arbeitsplatten und Unterschränke. Anschließend wurden diese gemeinsam mit weiteren Helfern und Flüchtlingen in zwei Stunden komplett in allen drei Küchen aufgebaut. Die Materialkosten hat die Spendenkasse des Asylnetzwerks übernommen.
Die Bewohner sind sehr froh jetzt endlich richtig Kochen und Backen zu können und bedankten sich mit pikanten selbstgebackenen Krapfen bei den ehrenamtlichen Helfern.
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